| Mountain Bike Weltcup in Dalby Forest (GB) und Houffalize (Bel): Nicola Rohrbachs SRM-Daten |
![]() Die beiden ersten Weltcuprennen der Saison sind ein Spiegel der Geschichte des Mountainbikesports in Europa. Das erste Rennen der Saison war auch gleichzeitig die Weltcup-Premiere für Dalby Forest. Die Organisatoren legten höchsten Wert auf eine ökologisch verantwortungsbewusste Veranstaltung, um die wunderschöne Natur in dieser Region in Yorkshire nicht zu gefährden. Die Rennstrecke, die speziell für dieses Ereignis konzipiert worden war, wurde auch höchsten sportlichen Ansprüchen gerecht. Das zeigte sich auch im Ergebnis, einer Wiederholung des Zieleinlaufs der letztjährigen Weltmeisterschaft. Der Schweizer Nino Schurter siegte im Zielsprint gegen Julien Absalon (Frankreich).
"Houffalize MTB - 20 years already" - die Rennstrecke in Houffalize ist ein Klassiker mit großer Tradition im Mountainbikesport. Kraftraubende Anstiege und spektakuläre Abfahrten kennzeichnen dieses Rennen. In gewisser Weise ist es die Mountainbikeversion des Straßenklassikers "Lüttich-Bastogne-Lüttich" - in der gleichen Region, den Ardennen, und den euphorischen belgischen Radsportsupportern. Der spanische Meister Jose Hermida war der stärkste Fahrer des Rennens. Nach einem Sturz am Start kämpfte er sich wieder nach vorne und konnte nach einer langen Jagd Manuel Fumic überholen und das Rennen für sich entscheiden. Der Start ist immer eine entscheidende Situation bei einem Mountainbikerennen. Ähnlich wie bei einem Formel-1-Rennen ist es wichtig, möglichst weit vorne in die engeren, technisch anspruchsvolleren Passagen zu kommen, um nicht hinter langsameren Fahrern oder Stürzen festzuhängen. Die Startposition wird durch die Anzahl der Weltcuppunkte bestimmt. Je besser man in den vorherigen Rennen war, desto weiter vorne steht man am Start. Für Nicola Rohrbach vom SRM-Stevens Team ist es deshalb wichtig, gute Resultate zu erzielen und damit eine bessere Ausgangsposition zu erkämpfen. Deshalb versucht er, bei jedem Weltcuprennen am Start zu stehen und das Beste herauszuholen. In Dalby Forest startete Nicola von Position 85 in einem Feld von 183 Fahrern. Sein Hauptziel war es, unter die ersten 60 zu kommen, um einige Weltcuppunkte zu erringen. Aber durch ein technisches Problem zu Beginn der vierten Runde verlor er wertvolle Zeit und Plätze und beendete das Rennen auf Position 62.
Seine SRM-Daten zeigen, dass er in der Lage ist, eine sehr konstante Leistung über das gesamte Rennen abzurufen: 20 Minuten pro Runde bei einer Durchschnittsleistung von 291 Watt (4,1 W/kg) während des zweistündigen Rennens. Die Relation Herzfrequenz zu Leistung blieb über das gesamte Rennen ähnlich, ein gutes Zeichen für geringe Ermüdungserscheinungen. In der letzten Runde konnte er noch einmal zulegen und profitierte hier von seinem guten aeroben Trainingszustand. Das ist ein gutes Zeichen für die nächsten Rennen, weil er auf die aerobe Basis jetzt durch die Rennen und spezifische, hochintensive Intervalle noch die nötige anaerobe Leistungsfähigkeit aufbauen kann. Seine gute Erholungsfähigkeit hilft dabei nicht nur in den Rennen, sondern auch im Training bei der schnelleren Erholung von den intensiven Einheiten.
Für das Rennen in Houffalize war Nicola besonders motiviert. Er wusste, dass sich seine Form verbessert hatte und ein gutes Ergebnis auch von einer hinteren Startposition möglich war.
Eine genauere Analyse der ersten zehn Rennminuten von Dalby Forest und Houffalize zeigt den unterschiedlichen Charakter der Rennstrecken sehr deutlich. Der Kurs in Dalby war deutlich schneller und Nicolas Durchschnittsleistung auch signifikant höher (315 Watt gegenüber 295 Watt in Houffalize). Aber noch interessanter sind die vielen Leistungsspitzen über 1.000 Watt, die die extreme Belastung aber auch die Motivation von Nicola zeigen, sich eine bessere Platzierung zu erkämpfen. Aber vielleicht waren diese Anstrengungen auch die Ursache für das schlechtere Endergebnis. In Houffalize war die Zahl der Belastungsspitzen deutlich geringer, nicht einmal lag die Leistung zu Beginn über 1.000 Watt. Trotzdem beendete er das Rennen auf einem deutlich besseren Platz.
Das ist aber nur Theorie. Jedes Rennen hat seine eigenen Regeln und wird durch viele Faktoren bestimmt. Auf einem schnellen Kurs wie in Dalby muss man versuchen, möglichst weit vorne Anschluss an eine gute Gruppe zu bekommen, dann kann man sich nach den hohen Intensitäten möglicherweise auch im Windschatten etwas erholen. Andererseits kann man, wenn man zu Beginn dosiert gefahren ist, in der zweiten Hälfte die Konkurrenten leicht überholen, die überzogen haben. In Houffalize scheint das die richtige Taktik gewesen zu sein, wie sich auch durch den Sieg von Jose Hermida zeigt, der von weit hinten kommend den lange Zeit führenden Manuel Fumic noch abfangen konnte.
In der Ansicht "Statistic" werden einige typische Beanspruchungen bei Mountainbikerennen noch deutlicher: Die Herzfrequenzverteilung hat ihr Maximum nahe am individuellen Maximalpuls. Die Geschwindigkeiten liegen dagegen im Vergleich zu Straßenrennen auf deutlich niedrigerem Niveau - in Houffalize während der meisten Zeit bei 10-20 km/h in Dalby bei 20-30 km/h. Die Trittfrequenzverteilung hat ihr Maximum bei etwa 80 - 85 U/min. Die Leistungsverteilung ist bei beiden Rennen sehr weit, es zeigt sich aber ein kleiner Unterschied zwischen Dalby und Houffalize: In Dalby tritt Nicola meistens um 360 Watt, während in Houffalize die Spitze noch breiter ist mit einem großen Anteil im Bereich zwischen 510 und 550 Watt.
Nicolas maximale Leistungswerte sind bei den beiden Rennen entsprechend der Anforderungen der Streckenführung auch unterschiedlich. Während die kurzen Maximalleistungen um 10 Sekunden in Dalby wesentlich höher waren, forderten die anspruchsvolleren Steigungen in Houffalize eine deutlich höhere Maximalleistung im Bereich um eine Minute. Da die Hügel aber relativ kurz waren, konnte Nicola sich in den Abfahrten wieder erholen und die Maximalleistung bei 4 Minuten war auf dem gleichmäßigeren Kurs in Dalby wieder höher (Gesamthöhenmeter Dalby Forest: 797 m, Houffalize: 912 m).
Mit seiner ansteigenden Form und der besseren Startposition hat Nicola beim Weltcuprennen in Offenburg gute Chancen, in die Top 20 zu fahren. Viel Glück!
SRM ist offizieller Ausrüster folgender Teams:
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