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Tour de France 2011 - Analyse der 18. Etappe - Königsetappe
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Es war eine grandiose Etappe! Team Leopard Trek hatte eine spezielle Strategie für diese Etappe entwickelt und konnte sie optimal umsetzen. Andy Schleck konnte die Königsetappe gewinnen und die Aussichten auf einen Toursieg haben sich deutlich verbessert.

Das Team Leopard Trek übernahm von Beginn an die Initiative und schickte zwei Fahrer als „Satelliten" in die Fluchtgruppe - Joost Posthuma und Maxime Monfort. Andy Schlecks frühe Attacke am Col d'Izoard überraschte die Konkurrenz und keiner folgte ihm. Joost unterstützte Andy im letzten Teilstück des Col d'Izoard und Maxime wartete in der Abfahrt in Richtung Briancon. In Maximes Windschatten konnte Andy zwischen dem Col d'Izoard und dem Col du Galibier wertvolle Körner sparen. Maxime leistete heute entscheidenden Anteil am Erfolg. Seine Leistung auf der Abfahrt und in der leicht ansteigenden Gegenwindpassage war enorm wichtig. Die Verfolger konnten auf den fast 40 Kilometern, die Maxime für Andy arbeitete, keine Zeit gutmachen.

Team Leopard Trek profitierte auch von der Uneinigkeit der Konkurrenten bei der Verfolgung. Keiner der Verfolger wollte oder konnte sich mit 100% bei der Nachführarbeit einsetzen. Letztlich war es Cadel Evans (Team BMC), der sich vor das Feld spannte. Auf den letzten zehn Kilometern hinauf zum Ziel wurde es zu einem Duell zwischen Evans und Andy Schleck. Cadel konnte die Lücke zwar nicht schließen aber den Schaden in Grenzen halten.

In der Gesamtwertung hat Andy Schleck jetzt fast eine Minute Vorsprung auf Cadel, was die morgige Etappe nach Alpe d'Huez noch interessanter macht. Die beiden Schlecks müssen den Vorsprung weiter ausbauen, um im Zeitfahren den möglichen Toursieg nicht wieder zu verlieren. Cadel Evans ist ein sehr guter Zeitfahrer und Thomas Voeckler (Team Europcar) wird sich auch nicht kampflos geschlagen geben.

Das Ziel auf dem Col du Galibier auf 2.645 Meter war die bisher höchste Zielankunft der Tourgeschichte. Aber zuvor in der Etappe hatten die Fahrer den Col Agnel (2.744 m) und den Col d'Izoard (2.360 m) überquert und dabei mehr als 25 Kilometer über 2.000 m Höhe bergan zurückgelegt.

Das Problem in diesen Höhenlagen ist der niedrigere Luftdruck und daraus resultierend der geringere Sauerstoffpartialdruck. In einem definierten Volumen befindet sich weniger Sauerstoff - die meisten Höhenkammern oder -zelte simulieren dies nicht durch Abnahme des Drucks, sondern indem sie Sauerstoff durch Stickstoff ersetzen.
Der Luftdruck auf Meereshöhe beträgt 1013 hPa oder 760 mmHg. Auf 2.000 m Höhe sind es nur noch 795 hPa (596 mmHg) und auf 2.500 m 746 hPa (560 mmHg). In einer Höhenkammer würde dies folgenden Sauerstoffkonzentrationen entsprechen:
Meereshöhe: 20,94%; 2.000 m Höhe: 16,2%; 2.500 m Höhe: 15,2%.
Das bedeutet, dass bei jedem Atemzug deutlich weniger Sauerstoff eingeatmet wird. Die Atemfrequenz und die Herzfrequenz steigen, um den nötigen Sauerstoff zur Muskulatur zu bekommen.
Ab einer Höhe von 600 m nimmt die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max) um etwa 8,7% pro 1000 Höhenmeter ab. Das ist ein Durchschnittswert und jeder Sportler reagiert unterschiedlich. Es gibt Athleten, die nur geringe Leistungseinbussen haben, aber auch Sportler deren Schwellenleistung deutlich niedriger liegt, als auf Meereshöhe.
Viele Sportler versuchen sich mit Höhentraining auf Wettkämpfe vorzubereiten. Vor allem bei Wettkämpfen in Höhenlagen macht dies Sinn.

Es gibt noch weitere Faktoren, die in der Höhe die Leistung beeinflussen können. Die Luftfeuchtigkeit ist zum Beispiel geringer. Dadurch kann die Schleimhaut in den Atemwegen austrocknen und man wird anfälliger für Atemwegsinfekte. Außerdem verliert man mehr Flüssigkeit über die Atmung. Unter anderem deshalb sollte in der Höhe die Trinkmenge gesteigert werden.

Andy Schleck und Cadel Evans konnten heute beweisen, dass sie auch in der Höhe leistungsfähig sind. Alberto Contador hatte Probleme, vielleicht verursacht durch die Höhe. In jedem Fall verstärken sich Leistungseinbrüche in der Höhe - ob Atemwegsprobleme oder auch limitierte Energiespeicher, da durch das geringere Sauerstoffangebot früher auf den anaeroben, weniger effizienten Stoffwechsel umgestellt werden muss.

Es war eine harte Etappe für Chris Anker Soerensen. Seine Durchschnittsleistung während der mehr als 6 ½ Stunden lag bei 242 Watt mit einer durchschnittlichen Herzfrequenz von 138/min. Er bewältigte 4.916 Höhenmeter und verbrannte dabei 5.779 Kalorien.

 

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Am Col Agnel war das Peloton mit einer gleichmäßigen Geschwindigkeit unterwegs. Trotz der konstanten Leistung um 320 Watt stieg Chris Ankers Herzfrequenz an. Das war wahrscheinlich der Effekt der Höhe.
Für den gesamten Col Agnel benötigte Chris Anker 1:18:07 h bei 285 Watt (4,4 W/kg) Durchschnittsleistung.

 

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Am Col d'Izoard war er in der Gruppe zusammen mit seinem Kapitän Alberto Contador und trat im Durchschnitt 327 Watt (5,1 W/kg) für den gesamten Anstieg und 341 Watt (5,3 W/kg) für die letzten acht Kilometer zur Bergwertung. Das entspricht in etwa seiner Schwellenleistung. Die Herzfrequenz blieb relativ konstant und die Höhe hatte nicht denselben Effekt wie am fast 300 m höheren Col Agnel.

 

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Nach der Abfahrt vom Col d'Izoard beteiligte sich Chris Anker als einer der wenigen Helfer an der Nachführarbeit. Seine grüne Leistungskurve verdeutlicht sehr gut die Führungen. Bedingt durch die Desorganisation und Uneinigkeit war die Geschwindigkeit aber nicht konstant hoch. Chris Ankers Durchschnittsleistung während der fast 40 min lag bei 333 Watt (5,2 W/kg), in den Führungen leistete er um 400 Watt. Als Cadel Evans attackierte konnte Chris Anker nicht mehr folgen und beendete die Etappe in einem Tempo. Dabei leistete er für die letzten elf Kilometer am Col du Galibier 264 Watt (4,1 W/kg) mit einer Herzfrequenz um 150/min.
Hoffentlich kann er sich für die morgige Bergetappe gut erholen.

 

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Andrej Zeits (Team Astana), Markel Irizar (Team Radioshack) und Jérémy Roy (Francais Des Jeux) waren heute in Gruppen, die für sie in optimaler Geschwindigkeit unterwegs waren. Für sie ging es darum, die Etappe mit so wenig Aufwand wie möglich hinter sich zu bringen.

 

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Tour De France 2011, 18. Etappe J. Roy M. Irizar A. Zeits C.A. Soerensen
Distanz [km] 200.5 201.9 199.1 199.9
Zeit [h:min:sec] 6:43:34 6:35:48 6:38:32 6:22:18
Leistung [W] 259 295 242 261
Herzfrequenz [Schläge/min] 134 138 146
Geschwindigkeit [km/h] 29.8 30.6 30 31.4
Trittfrequenz [U/min] 71 76 81 77
Höhenmeter [m] 4.911 4.904 4.916 4.916
Energieverbrauch [kJ] 6.265 7.010 5.779 5.982
Maximalleistung [W]
1 sec 1.194 1.057 884 953
10 sec 996 923 821 782
40 sec 704 650 532 594
1 min 615 575 517 528
4 min 452 430 439 394
10 min 396 407 345359 360
20 min 353 382 345 348
60 min 313 342 289 308


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