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Zeitfahrtraining
Zeitfahren sind ein hervorragender Test der physischen und mentalen Stärke und eines der Ereignisse, bei denen das Training mit dem SRM System einen wirklichen Vorteil bringen kann.

Ganz entscheidend: Jedes Zeitfahren ist anders - jeder Kurs hat seine eigenen Anforderungen und jeder Fahrer hat seine Stärken und Schwächen. Wenn man ein bestimmtes Rennen anpeilt, muss man wissen wie der Kurs beschaffen ist und genau dafür trainieren, denn eine zu allgemeine Vorbereitung wird nicht das gewünschte Ergebnis bringen.
Ein Beispiel, Kristen Armstrong gewann im August 2008 Gold bei den Olympischen Spielen in Beijing und landete auf dem 5. Platz bei den Weltmeisterschaften im September - war sie müde von der langen Saison oder lag ihr der Kurs des Weltmeisterschaftsrennens nicht? Oder hat sie ihr Training so speziell auf den olympischen Kurs abgestimmt, dass sie ihre Form nicht abrufen konnte? Fünfte der Welt ist immer noch ein hervorragendes Ergebnis, aber es zeigt auch den Einfluss, den kleine Unterschiede bewirken können.

Wenn man für ein Zeitfahren trainiert, sollte man als erstes einige Feldtests mit dem SRM in flachem Gelände durchführen (es sei denn, man trainiert für ein Bergzeitfahren, dann sollte man die Tests am Berg durchführen). Dabei kann man herauszufinden, wieviel Leistung man in unterschiedlichen Zeitintervallen aufrechterhalten kann, zum Beispiel 5 Minuten, 10 Minuten und 30 Minuten. Es ist nicht notwendig, 5 oder 6 Stunden wie Straßenfahrer zu fahren, man muss es nur schaffen, die Leistung während des Rennens knapp unter seiner Schwelle zu halten. Es gilt also herausfinden, wo genau diese Leistungsschwelle bei unterschiedlichen Zeitintervallen liegt. Man wiederholt jeden Test einige Male innerhalb mehrerer Wochen, um ein gutes, reproduzierbares Ergebnis zu erzielen, mit dem man arbeiten kann.

Wenn wir über Leistung an der 'Schwelle' reden, ist nicht einfach nur eine Zahl gemeint, die man durch einen Labortest ermitteln kann. Wir reden über die höchste Leistung, die in einer festgelegten Zeit erbracht werden kann, ohne zu 'explodieren'. Es ist klar, dass man eine höhere Durchschnittsleistung erzielt, wenn man 4 Minuten mit maximaler Leistung fährt als wenn man zum Beispiel 20 Minuten fahren muss. Ein einstündiges Zeitfahren würde man nicht mit demselben Tempo fahren wie einen kurzen Prolog. Man muss herauszufinden, wie weit man in den roten Bereich fahren und trotzdem die Leistung beibehalten kann, egal wie lange es dauern mag.

Wie trainiert man für ein 30-minütiges Zeitfahren auf einem flachen Kurs?
Zunächst ermittelt man die Leistung in einem Feldtest über 30 Minuten und baut das Training darauf auf. Kann man zum Beispiel maximal 300 Watt halten, so versucht man, diese Zahl langsam zu erhöhen. Man trainiert knapp darüber (zwischen 330-350 Watt), unterbrochen durch einige Minuten knapp darunter (ungefähr 260-280 Watt). Durch die Intervalle knapp über der Schwelle, beginnt sich Säure aus dem anaeroben Stoffwechsel in Muskeln und Blutkreislauf aufzubauen. Durch die unvollständigen Erholungsphasen knapp unter dieser Schwelle lernt der Körper, diese Säure schneller abzubauen. Komplette Pausen zwischen den härteren Intervallen erzielen nicht den gewünschten Trainingseffekt.

Trainingsziel ist, die Leistung über einen definierten Zeitraum zu verbessern - nicht die maximale Leistung zu erhöhen. Die vorsichtig angepassten Trainingseinheiten sind eine hervorragende Vorbereitung für den Tag des Rennens, wenn Pacing ein wesentlicher Bestandteil des Erfolgs wird. Schon der kleinste Fehler zu Beginn des Rennens kann eine gewaltige Auswirkung auf die Gesamtleistung haben.

Bei großen Rennen kann es leicht passieren, dass man vor Aufregung am Start ein bisschen härter als geplant fährt - das passiert auch den Besten, sogar jenen auf Welt- und olympischem Nivau. Wenn man im ersten Rennabschnitt nur 10 Watt über der individuellen Schwelle fährt, nutzt man verstärkt das anaerobe System und baut Säure auf. Das kann so weit gehen, dass die Leistung im letzten Rennabschnitt bis zu 50 Watt reduziert werden muss. Die gesamte Durchschnittsleistung im Rennen ist dadurch wesentlich niedriger, als wenn man mit konstanter Leistung von Beginn an gefahren wäre.

Aus diesem Grund benutzen einige Profis ihr SRM bei den wichtigsten Zeitfahren. Sie haben ihre Leistung immer im Blick, können sie kontrollieren und, basierend auf den Trainingserkenntnissen, wie geplant einteilen.

Hier ist das Beispiel eines hervorragend eingeteilten Zeitfahrens von Adam Hansen bei den Weltmeisterschaften 2008. Er begann stark und hielt das Tempo über die gesamte Länge des Rennens konstant. Seine durchschnittlichen Wattzahlen zwischen 394 und 402 Watt in den einzelnen 10-minütigen Abschnitten zeigen, wie bewusst er sich seine Leistung einteilen und in einem sehr homogenen Bereich bis zum Ende halten konnte. Auch sein Herzfrequenzverlauf mit durchschnittlichen Werten zwischen 178 und 183 in den 10- minütigen Abschnitten zeigt dies deutlich. Eine kontinierlich ansteigende Herzfrequenz wäre ein Hinweis dafür gewesen, dass er sich in den roten Bereich gefahren hätte.
Seine Trittgeschwindigkeit lag knapp über100 Umdrehungen pro Minute, auch hier zeigt die Stabilität der Daten, dass er sich das Rennen sehr gut eingeteilt hatte. Er nutzte sein SRM in optimaler Weise, um die beabsichtigte Leistung zu erreichen und in einem sehr engen Zielbereich zu halten.