| Punktefahren Männer und Frauen |
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Stellen Sie sich vor, 10.000-Meter-Läufer müssten im Rennen 16 Mal sprinten ...oder sie könnten Extrapunkte durch Überrundung anderer Teilnehmer gewinnen... Und jetzt stellen Sie sich das auf der Radrennbahn vor, ein Fahrer pro Land in einem 40-Kilometer-Rennen. Diese Disziplin heisst Punktefahren! Die ersten 4 Fahrer, die nach jeder 20. Runde über die Ziellinie fahren erhalten Punkte (5, 3, 2 und 1 Punkt). Gewinnt ein Fahrer eine komplette Runde, erhält er 20 Punkte. Sieger ist der Fahrer mit der höchsten Punktzahl. Bei Punktegleichstand entscheidet die Platzierung in der Schlusswertung.
Bei diesem Ausdauerrennen müssen die Fahrer in der Lage sein, einen hohen Prozentsatz ihrer Maximalleistung für längere Zeit abzurufen und zu sprinten, wenn sie bereits mit einer hohen Umdrehungszahl fahren. Das ist nicht so einfach wie auf der Strasse, denn Bahnräder haben keine Schaltung und man kann nicht einfach einen Gang hochschalten - um zu beschleunigen muss man die Trittfrequenz erhöhen.
Erfolgreiche Punkterennfahrer zeichnen sich durch die Fähigkeit aus, im Rennen schnell zu regenerieren. Es ist eine extrem dynamische Sportart, bei der das Tempo plötzlich angezogen wird, um aus dem Feld auszureißen, um Punkte zu ersprinten oder um einfach den Anschluss ans Feld zu halten. Erholt man sich nicht schnell genug und ist man von der Länge des Rennens zermürbt, dann fehlt im Finale die Kraft für den Endspurt.
Absolut unerlässlich bei grossen Teilnehmerfeldern auf der Bahn sind die taktischen und technischen Fähigkeiten, was selbst von Insidern oft unterschätzt wird. Wie man sich im Feld gut platziert, wann man attackiert, ob (und wie) man sich ausruht, das ist entscheidend, wenn man das Podium anpeilt.
Nicht zuletzt erfordern Punkterennen mathematisches Gespür. Die modernen Anzeigetafeln zeigen zwar ständig die aktuelle Platzierung, doch die Fahrer sollten selbst entscheiden können, wen es zu jagen gilt, wieviele Punkte sie im Vergleich zu anderen Fahrern brauchen, ob sie bei jedem Sprint 100% fahren müssen um zu gewinnen - und das alles während sie nahe an ihrer absoluten Belastungsgrenze fahren. Leichter gesagt, als getan! Und - Fehler auf der Anzeigetafel sind durchaus möglich, deshalb ist es besser selbst zu rechnen und die Übersicht zu bewahren.
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Die abgebildete Datei stammt von einem Profi bei einem Weltcuprennen über 30 Kilometer (und nicht wie in Peking 40 km).
Die Fahrer legten die 30 km in nur 34 Minuten mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 51.22 km/h zurück! Er leistete im Durchschnitt 419 Watt bei einer durchschnittlichen Herzfrequenz von 178.3 Schlägen pro Minute. Sie sehen in diesem Beispiel, dass seine Leistung während des Rennens stark schwankt. Das liegt daran, dass die Fahrer fähig sein müssen, immer wieder plötzlich das Tempo anzuziehen aber sich auch zu erholen, wann immer sich die Möglichkeit dazu bietet.
Große Unterschiede zwischen Bahn- und Strassenrennen gibt es bei den Trittfrequenzen. In diesem Beispiel beträgt die durchschnittliche Trittfrequenz 117 - das ist wesentlich höher als normalerweise auf der Strasse.
Erinnern Sie sich noch an die Beziehung zwischen Leistung und Trittfrequenz? Leistung = Trittfrequenz x Kraft, das heißt man kann eine höhere Leistung erzielen in dem man mit weniger Kraft die Trittfrequenz erhöht oder durch langsameres Pedalieren mit mehr Kraft. Bahnräder haben keine Gangschaltung, deshalb entscheidet man sich für eine Übersetzung, mit der man locker im Feld fahren und regenerieren, aber gleichzeitig auch die erforderliche Leistung für Sprints und Ausreißversuche abrufen kann.
Sie erkennen sofort die Dynamik dieses Rennens. Die plötzlichen Sprünge in Leistung, Trittfrequenz und Geschwindigkeit sind typisch. Das ist wie beim Stop-and-Go auf der Autobahn - zuerst verringern alle die Geschwindigkeit, plötzlich kommt wieder Bewegung ins Feld und alle geben Gas, dann wird das Tempo wieder verschleppt und so weiter. Das alles ist sehr ermüdend, denn jede Tempobeschleunigung bringt die Fahrer in ihren anaeroben Bereich, so dass die Laktatkonzentration steigt und die Muskulatur übersäuert - wenn das Laktat nicht in den kurzen Erholungsphasen wieder abgebaut werden kann.
Die Maximalleistungen bei unterschiedlicher Zeitintervallen sind bei Bahnradfahrer und Straßenfahrern ziemlich ähnlich. Punktefahrer trainieren sehr viel auf der Strasse und holen sich ihre Wettkampfhärte in Strassenrennen. Vom Typ her ähneln sie Strassensprintern oder Anfahrern (häufig sind es auch erfolgreiche Sprinter wie z.B. Greg Henderson (NZL) vom Team Columbia). Hier die maximalen Leistungen aus dem Beispiel:
- 1/2 Sekunde: 2.096 W
- 1 Sekunde: 1.638 W
- 5 Sekunden: 1.296 W
- 20 Sekunden: 1.119 W
- 1 Minute: 697 W
- 4 Minuten: 558 W
- 20 Minuten: 443 W
All diese Daten zeigen uns, dass die Fahrer nicht nur eine hohe Wattzahl (Leistung) bringen müssen, sie müssen diese im Rennen auch immer wieder abrufen und schnell erholen.
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