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Ausreissergruppe: Marcus Burghardt gewinnt die 18. Etappe der Tour de France 2008

Burghardt-f-Webpage--SRM-in-Aktion-Wettkampf-Ausreissergruppe Marcus Burghardt gewinnt die 18. Etappe der Tour de France 2008! Der deutsche Edelhelfer ist ein perfektes Rennen gefahren, auch weil er es in Tagen zuvor so viel Kraft wie möglich gespart hatte. Er hatte intensiv in den ersten 2 ½ Wochen für Cavendish und Kirchen gearbeitet, und deshalb den Sieg auch verdient.

Während der Pressekonferenz nach dem Zieleinlauf erzählte er, dass er sich speziell die 18. und 19. Etappe ins Auge gefasst hatte, da sie für ihn massgeschneidert waren. Die beiden Etappen sind schwer für Sprinterteams zu kontrollieren, unter anderem weil sie nach den Alpenetappen müde sind. Für das Team des gelben Trikots ist das Rennen einfacher zu kontrollieren, wenn eine Gruppe mit in der Gesamtwertung ungefährlichen Fahrern ausreisst und den Etappensieg unter sich ausmacht.

Zuerst möchten wir einige Zahlen der Etappe im Überblick analysieren: Burghardt war nahezu die gesamten 4 ½ Stunden in einer Ausreissergruppe. Er beendete die 196,5 Kilometer mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 43,6 km/h, die Durchschnittsleistung lag bei 290 Watt und die eindrucksvoll hohe Trittfrequenz bei 93,4 U/min. Schon seine motorischen Fähigkeiten am Ende der Tour de France zeigen seine herausragende Fitness. Seine durchschnittliche Herzfrequenz lag bei 144,5 Schlägen/min und er verbrannte etwa 4.700 Kalorien [kcal], weniger als die 6.500 Kalorien auf der gestrigen Bergetappe, aber auf einem höheren Intensitätsniveau. 20% der Zeit legte er über der Trainingszone 3, um und über der anaeroben Schwelle, nur 14% in der „regenerativen" Trainingszone 1.

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Vergleicht man Burghardts Kurve mit der von Sebastian Lang (Team Gerolsteiner), so kann man die Unterschiede in der Belastungshöhe zwischen einer Ausreissergruppe und dem Peloton erkennen. Langs Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei 42,2 k/h, geschützt im Windschatten des Peloton mit einer Durchschnittsleistung von 223 Watt und einer Herzfrequenz von 134,5 Schlägen/min. Am deutlichsten ist der Unterschied aber in der durchschnittlichen Trittfrequenz. Sie lag bei Lang bei 69 U/min (zur Erinnerung: Burghardt 93.4 U/min). Er rollte ca. 24 Minuten der gesamten Zeit ohne zu treten, Burghardt lediglich 2:50 min. Lang legte 31% der Zeit in der Trainingszone 1 im Sog des Feldes zurück, 14% der Zeit befand er sich in der Zone 4 und 5, in der Hauptsachen zu Beginn des Rennens.

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Aber Burghardt war nicht der einzige Fahrer, der sich vorgenommen hatte in einer Ausreissergruppe dabei zu sein, Lang versuchte es auch. Beide waren schon in der ersten Gruppe des Tages, wurden aber wieder aufgefahren. Burghardt versuchte direkt die nächste Gruppe zu erwischen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit entlang der L'Oise talabwärts lag in der ersten Stunde bei 55,8 km/h und die Durchschnittsleistung bei 319 Watt. Die drei Attacken von Burghardt kurz vor Ende der ersten Stunde mit einer Maximalleistung von 919 bis 1171 Watt zeigen seine Motivation und Ambition in dieser Etappe. Langs Werte in der ersten Stunde sind kaum weniger beeindruckend: Durchschnittsleistung 314 Watt, durchschnittliche Herzfrequenz 155 Schläge/min und die Trittfrequenz lag bei 91min.

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Bei Kilometer 66 attackierten Burghardt und Feillu (Agritubel) um Barredo (Quick Step) zu folgen. Die ersten 8 ½ Minuten der Attacke leistete Burghardt durchschnittlich 385 Watt, im ersten Antritt maximal 1158 Watt. Seine Trittfrequenz lag knapp über 100 und die durchschnittliche Herzfrequenz bei 158,5 Schlägen/min. Die grüne Leistungskurve zeigt deutlich, wann er mit ca. 400 Watt in der Führung war und wann er mit ca. 260 Watt im Windschatten von Feillu fahren konnte. Sehr schön zu sehen ist auch der unmittelbare Abfall der Herzfrequenz wenn er nicht von vorne fahren musste.

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Eine enorme Energieleistung ermöglichte ihm zu Barredo aufzuschliessen und einen deutlichen Vorsprung zum Feld herauszufahren. Den Aufstieg zum Col de Parmenie (5,5 km) bewältigte er mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 22,3 km/h, 419 Watt und einer Trittfrequenz von 85,8 U/min. Seine Herzfrequenz erreichte ein Maximum von 172 Schlägen/min (Durchschnitt: 166/min). Dies kann man als Zeichen der Ermüdung durch die nahezu drei Wochen im Sattel werten. Im ausgeruhten Zustand erreicht er eine Frequenz von 193/min, bei einer Herzfrequenz in Ruhe von 37/min. Heute lag sein Maximum auf den letzten Rennkilometern bei 175/min. Die hohe Trittfrequenz zeigt aber auch, dass er noch in der Lage ist flüssig und schnell zu kurbeln wenn andere Fahrer aufgrund der Ermüdung schon dicke Gänge und niedrige Trittfrequenzen wählen.
An diesem Berg konnte er etwa 5:20 Minuten auf das Peloton herausfahren.
Burghardts Tritt ist sehr gleichmässig, die grüne Leistungskurve verläuft sehr geradlinig, mit wenigen belastenden Rhythmuswechseln im Gegensatz zu Langs Kurve, der im Peloton mit durchschnittlich 273 Watt und einer Trittfrequenz von 68,6 U/min unterwegs war.

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Der gesamte Kurvenverlauf zeigt, wie gut sich Barredo und Burghardt bei der Arbeit ablösten und abwechselnd die Führung übernahmen.
Auch am Berg der zweiten Kategorie, dem Croix de Montvieux, konnte das Peloton auf die beiden keine Zeit gut machen. Burghardt leistete auf den letzten 14,6 Kilometern des Anstiegs durchschnittlich 360 Watt und das mit einer Trittfrequenz von 96,1 U/min!

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Nach der Abfahrt vom Croix de Montvieux wurde das Rennen taktischer. Aber Barredo war wohl schnell klar, wie schwierig ein Sieg werden würde. Obwohl er eigentlich ein besserer Kletterer sein sollte als Burghardt konnte er ihn am letzten Berg, der Cote de Sorbiers, nicht abschütteln. Auf den letzten zehn Kilometern startete er einige Attacken, aber Burghardt konnte sich problemlos an sein Hinterrad setzen. Sieben Attacken wurden lanciert, die zweite war die härteste: 1.539 Watt nach 4 ½ Stunden intensivstem Rennen. Dies entsprach beinahe seiner Maximalleistung in dieser Tour (1.578 Watt in Etappe 11 und 13). Bei allen diesen Attacken war seine Maximalleistung höher als 1.100 Watt. Er beschleunigte in der zweiten Attacke in 8 Sekunden von 25,2 km/h auf 45,6 km/h bei einer maximalen Trittfrequenz von 115 U/min.

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Im Sprint zur Ziellinie beschleunigte er innerhalb von 14 Sekunden von 26 km/h auf 56,4 km/h, Maximalleistung 1.391 Watt, Durchschnittsleistung für 12 Sekunden 1.108 Watt!

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Ähnlich wie ein Sprint auf der Radrennbahn gestaltete sich auch dieses Finale: Ganz offensichtlich profitierte Burghardt von seiner Erfahrung bei Rennen und Training auf der Bahn. Er konnte die dort entwickelten motorischen Fähigkeiten - mit hoher Trittfrequenz zu fahren und dabei noch Kraft auf die Pedale zu bringen - in optimale Beschleunigung umsetzen. Dazu kommt noch das Selbstvertrauen um ganz cool die Chance zu nutzen.

Herzlichen Glückwunsch Marcus! Das war ein Höhepunkt dieser Tour und ein verdienter Erfolg für einen hart arbeitenden Helfer! Eine beeindruckende Leistung, nicht nur heute!