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Triathlon

IronMan


Die IronMan Weltmeisterschaft auf Hawaii ist ein Mythos, nicht nur für Triathleten. Die Idee, drei existierende Ausdauerevents auf Hawaii zu kombinieren, entstand 1977. Daraus hat sich eine Sportveranstaltung entwickelt, bei der "Freizeit"sportler mit den Besten der Welt am Start stehen. Jeder der nach 3,5 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42 km Laufen die Ziellinie am Drive überquert, ist ein Sieger. Auch mit jahrelanger Vorbereitung ist es für die meisten Triathleten nicht möglich, sich für diesen Wettkampf zu qualifizieren. Nur 1.800 Athleten dürfen an den Start gehen, zehntausende bewerben sich in der Lotterie. Das Außergewöhnliche am IronMan ist aber trotzdem, dass „Freizeitsportler" mit den besten Athleten der Welt am Start stehen.

Wir können ihnen hier die Daten von zwei Athleten präsentieren, die die Radstrecke mit einem SRM-Powermeter absolviert haben. Die wellige Radstrecke auf Hawaii über die Lavafelder ist durch Hitze und Wind äußerst anspruchsvoll. Bei jedem IronMan ist es wichtig, sich das Rennen gut einzuteilen, eine Pacingstrategie zu verfolgen und nicht zu Beginn aus Euphorie zu überziehen. Bei einer Fahrzeit von über 5 Stunden rächt sich das gnadenlos - oft schon vor dem Marathonlauf.

 

kona-race-500-1Asker Jeukendrup ist 1969 in Roermond in den Niederlanden geboren und einer der führenden Ernährungswissenschaftler, Direktor am „Human Performance" Labor der Universität Birmingham und Leiter einer der aktivsten sportwissenschaftlichen Arbeitsgruppen. Mit 35 Jahren wurde er der jüngste Professor an der Universität Birmingham und erhielt mehrere Auszeichnungen für seine akademischen Leistungen und Beiträge zur Sportwissenschaft, inklusive einem Lehrstuhl an der Universität Brüssel.

Asker ist Autor von einigen Büchern, inklusive „High Performance Cycling" und dem „Textbook on Sports Nutrition" in Zusammenarbeit mit Prof. Michael Gleeson (www.askerjeukendrup.com/books.html). Asker hat über 150 begutachtete (peer-reviewed) Artikel für Wissenschaftszeitschriften sowie Kapitel in Büchern veröffentlicht. Sein Ziel ist es, die wissenschaftlichen Erkenntnisse in die praktische Anwendung zu überführen, um den Menschen zu helfen ihre individuellen sportlichen Ziele zu erreichen, seien es Medaillen bei den Olympischen Spielen oder einfach Sport aus gesundheitlichen Gründen.

Während der letzten Jahre hat Asker mit einigen der weltbesten Athleten gearbeitet, inklusive Olympiasiegern und Weltmeistern. Er hat auch mit dem Profiradteam Rabobank, dem FC Chelsea, dem Britischen Leichtathtletikverband, den äthiopischen Marathonläufern und mit einigen der besten Schwimmer und Triathleten zusammengearbeitet. Daneben ist Asker ein 16-facher Ironman Finisher, 3 Mal beendete er die Ironman Weltmeisterschaft auf Hawaii erfolgreich, er war nationaler Duathlonmeister in seiner Altersklasse und gewann den San Francisco Golden Gate Headlands Marathon.

Asker finishte beim der IronMan Weltmeisterschaft 2008 in 10:52:08 h. Für die 3,5 km Schwimmen benötigte er 1:21:29 h, auf dem Rad bewältigte er die 180 km in 5:20:15 h und den abschließenden Marathon lief er in 4:03:37 h.
Die SRM-Daten seiner 180 Kilometer auf dem Rad zeigen eine sehr gleichmäßige Fahrt, ohne große Ausschläge in der Wattkurve - außer zu Beginn des Rennens.
Asker erwähnte im Interview (im SRM-Blog, klicken Sie hier), dass er ab Kilometer 80 Magenkrämpfe hatte. Man kann gut erkennen, wie er die Leistung reduzieren musste. Die Abfahrt nach etwa 100 Kilometern kam für ihn genau richtig, da er sich da weiter erholen konnte (die Herzfrequenz fiel von 155/160 auf 119 Schläge/min). Dadurch beruhigte sich sein Magen und die Energieaufnahme konnte fortgesetzt werden. Deshalb war er auch in der Lage mit etwa 300 Watt weiterzufahren.
Durch den starken Wind war es für Asker schwer, die Geschwindigkeit in der fünften Stunde hochzuhalten.
Seine Trittfrequenz ist, typisch für die meisten Triathleten, mit 80 U/min relativ niedrig.

 

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Sehr interessant ist die Auswertung der Analysegrafik:
Erinnern Sie sich an die regenbogenfarbene Linie auf dem Bildschirm oben rechts? Die Farben repräsentieren den zeitlichen Ablauf der Linie. Die Etappe wird dazu in sechs Zeitabschnitte geteilt. Die Farbe Gelb repräsentiert den Beginn der Etappe, darauf folgt Rot usw. bis zum Schlussabschnitt der Etappe, der Magenta gefärbt ist.
Zu Beginn des Rennens (gelb) fuhr Asker mit hoher Leistung und seine Herzfrequenz blieb niedrig. Viele Triathleten sind nach dem Schwimmen schon ziemlich erschöpft. Bei Asker war das nicht der Fall, wie er auch im Interview berichtet hat, fühlte er sich nach dem Schwimmen gut. Vielleicht war er nicht richtig schnell, aber er hatte Energie für einen guten Start mit dem Rad gespart.
Nach etwa 80 Kilometern begannen die Magenprobleme, das entspricht der grünen Linie in der Grafik. Seine Herzfrequenz ging nach oben und die Linie bewegte sich über die Ausgleichsgerade, so dass er die Leistung vermindern musste, was man im hellblauen Anteil der Linie erkennen kann. Die Linie bewegt sich nach rechts (geringere Leistung), aber dann konnte er sich erholen, die Linie bewegt sich unter die Ausgleichsgerade, d.h. die Herzfrequenz nimmt ab und er erholte sich für den nächsten Teil des Rennens (dunkelblaue Linie). Es scheint, als wäre er dann mit einer etwas zu hohen Leistung (Wattzahl) gefahren, denn im letzten Teil des Rennens (magenta Linie) musste er die Leistung wieder verringern, was aber auch daran liegen kann, dass er nicht zu hoch belastet auf die Laufstrecke wechseln wollte.

Sein R2-Wert liegt bei 0,30 (das bedeutet, dass die Ausgleichsgerade zu 30% das Verhalten von Herzfrequenz und Leistung zueinander beschreibt). Je höher der Wert ist desto besser, weil wir annehmen können, dass der Energiestoffwechsel dann über den Verlauf der Belastung sehr ökonomisch arbeitet. Daraus können wir schließen, dass neben Kohlenhydraten auch größere Mengen Fette zur Energiegewinnung herangezogen werden. Erinnern Sie sich an die Werte der Tour de France, da lagen die Werte meist zwischen 0,70 und 0,95 durch den sehr guten Trainingszustand und den über Jahre trainierten Fettstoffwechsel. Bei einem eintägigen Wettkampf wie dem Ironman ist das nicht so entscheidend, außerdem verfolgte Asker eine sehr ausgeklügelte Strategie der Kohlenhydratzufuhr.

Betrachten wir die Steigungswerte der Ausgleichsgerade (Slope): 0,12 1/W min. Das ist sehr niedrig und gut! Für jeweils 100 Watt Leistungssteigerung steigt seine Herzfrequenz um 12 Schläge an (ausgehend von der „zero position" 118,97 Schläge/min - dem Punkt, an dem die Ausgleichsgerade die y-Achse schneidet). Das bedeutet bei 100 Watt eine Herzfrequenz von 131 Schlägen pro Minute, bei 200 Watt 143 Schläge usw. Die Ursache für die niedrige Steigung dürfte bei der guten Pacing-Strategie liegen. Asker fuhr im gesamten Rennen ausgeglichen, nie deutlich über seinem Limit. Nur zu Beginn war die Leistung hoch, um den Wechselbereich hinter sich zu lassen. Da jeder Punkt auf der Linie eine Durchschnittsleistung über 4 Minuten repräsentiert (die Glättung/smoothing ist auf 4:00 min eingestellt) erkennt man, dass er die ersten vier Minuten mit durchschnittlich 485 Watt gefahren ist.

 

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Wolfgang Teuchner ist ein junger, sehr talentierter deutscher Triathlet (Jahrgang 1984). 2009 wurde er in seiner Altersklasse Europameister beim IronMan in Frankfurt.

Seine SRM-Daten vom IronMan Hawaii 2007 zeigen ein Beispiel eines Leistungseinbruchs nach der Hälfte der Radstrecke. Wolfgang war mit 1:00:24 h im Schwimmen gestartet und als 255ter aus dem Wasser gekommen. Auf dem Rad entwickelte er dann eine für einen IronMan enorm hohe Leistung - wobei er ein Radspezialist unter den Triathleten ist. Mit 350 Watt (4,3 W/kg) in der ersten Rennstunde liegt er im Bereich der absoluten Weltspitze. Normann Stadler fährt auf Hawaii etwa 300-340 Watt, Faris Al Sultan knapp unter 300 Watt. Beide erzielen damit Durchschnittsgeschwindigkeiten um 40 km/h. In der ersten Hälfte ist die Leistung bei allen Athleten aufgrund des Streckenprofils etwas höher. Wolfgang Teuchner konnte aber nach dem Wendepunkt und der Abfahrt von Hawi überhaupt keinen Druck mehr aufbauen - mit knapp 220 Watt (2,7 W/kg) liegt er 34% unter der Leistung der ersten Hälfte (335 Watt / 4,1 W/kg).

Mögliche Gründe für einen Leistungseinbruch in diesem Ausmaß sind neben einem zu harten Beginn ein Energiemangel durch unzureichende Zufuhr von Kohlenhydraten, unzureichende Flüssigkeitszufuhr, eine ungenügende Hitzeadaptation oder auch individuelle Faktoren wie ein Infekt im Vorfeld des Wettkampfs. Leider liegen die Herzfrequenzaufzeichnungen nicht vor, die weitere Aufschlüsse möglich machen würden.

Trotzdem reichten die 5:01:23 h Wolfgang Teuchner zu einer Radzeit unter den Top 100 (83.). Den abschließenden Marathon lief er in 3:40:39 h und finishte den IronMan Hawaii damit als 211ter.

 

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Die Werte zeigen, wie wichtig die Aerodynamik ist. Anders als bei Zeitfahrspezialisten im Straßenradsport die mit einer extremen Position fahren, müssen Triathleten allerdings 180 km in dieser Position Leistung erbringen. Deshalb ist es ein Balanceakt bei der Optimierung der Position zwischen Aerodynamik und Fahrkomfort. Im Training bedeutet dies, mit spezifischem Funktionstraining die Beweglichkeit zu verbessern und die Muskeln in extremen Positionen zu trainieren, damit zum einen extreme Positionen leichter fahrbar werden und die Krampfneigung besonders der Oberschenkelrückseite nicht zunimmt.

Die meisten Weltklasseathleten leisten sich inzwischen Aerodynamiktests auf der Bahn und/oder im Windkanal. Aber schon einfache „Roll-out"-Tests oder das Fahren einer speziellen Teststrecke können bei der Verbesserung der Sitzposition helfen. Dadurch kann man herausfinden, ob man mit höheren Geschwindigkeiten, höherer Leistung oder geringerer Anstrengung (Herzfrequenz) eine Position fahren kann. Natürlich gilt es viele Variablen zu berücksichtigen, die das Testergebnis beeinflussen können. Aber es kann ein Anfang sein, um in einer schnelleren Position weniger erschöpft ans Ziel zu kommen.